Das Lehrerzimmer
Ein Ort, der in der Schülerfantasie mit dem Olymp der Götter konkurriert. Ein Raum, umhüllt von einem Schleier aus Geheimnis und Gerüchten, so dicht wie ein Nebel aus frisch gemahlenen Kaffeebohnen. Ein Labyrinth aus Büchern, die wie uralte Zauberbücher aussehen, und Kaffeetassen, die mit geheimnisvollen Symbolen verziert zu sein scheinen.
In diesem Tempel des Wissens regieren die Lehrer, die Hohepriester des Unterrichts, die Orakel der Hausaufgaben. Und pünktlich zum Pausenbeginn, als schlüge es zur Stunde Null, versammeln sich die Schüler vor der Tür des Lehrerzimmers, wie ein Heer von neugierigen Ameisen vor einem Zuckerstück.
„Ist Frau Meyer da?“, „Was machen wir heute im Unterricht?“, „Ich brauche einen Kühl-Akku!“, „Mir ist schlecht!“.
Die Tür zum Lehrerzimmer, ein Portal zu einer anderen Dimension. Hinter ihr lauern die Lehrer, inmitten von Papierbergen, die wie schneebedeckte Berge in einer Fantasiewelt wirken, und vollgekleisterten Pinnwänden, die an die Wände eines mittelalterlichen Zauberer-Turms erinnern.
„Oh mein Gott, hier riecht es aber nach Kaffee!“, flüstert ein Sechstklässler, der das Lehrerzimmer zum ersten Mal betritt. „Ja, das ist das Ritual der Lehrer“, erklärt ein kundiger Zehntklässler. „Sie trinken Kaffee, um ihre magischen Kräfte zu aktivieren.“
Im Schlepptau befindet sich ein Mädchen aus der dritten Klasse, das ihre Kunstlehrerin fragte: „Bitte, bitte, bitte! Ich muss unbedingt wissen, was wir im Kunstunterricht machen!“
Ein Kollege, der gleichzeitig die Lehrerzimmertür passierte, nuschelte leise: „Sind wir Lehrer oder sind wir Türsteher?“
„Wir malen ja immer“, sagte die Lehrerin, „aber heute vielleicht mit Farbe.“
„Mit Farbe?“, fragte die Schülerin, die Augen voller Unglauben. „Ist das gefährlich?“
„Nein, keine Angst. Nur Wasserfarbe.“
Die Schülerin seufzte, als wäre ihr ein großer Traum zerplatzt. „Ach so. Also alles wie immer.“
Das Lehrerzimmer bleibt dabei von Generation zu Generation ein Ort der Legenden, ein Ort der Fragen, ein Ort, an dem die Fantasie der Schüler und die Geduld der Lehrer in einem ewigen Tanz vereint sind.